Ein 16-jähriger Jugendlicher wurde durch das Jugendamt in unsere Maßnahme vermittelt, nachdem zuvor mehrere stationäre Jugendhilfeangebote gescheitert waren. Der junge Mensch hatte bereits zahlreiche Einrichtungswechsel hinter sich, da es immer wieder zu massiven Konflikten mit Mitbewohnern und Mitarbeitenden gekommen war. Mehrfach kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen sowie zu Sachbeschädigungen.
Der Jugendliche war zudem polizeilich in Erscheinung getreten und bewegte sich zeitweise im Umfeld einer delinquenten Peergroup. Seine Biografie war geprägt von frühkindlicher Vernachlässigung, instabilen Bezugssystemen und wiederholten Trennungserfahrungen.
Im Hilfeplanverfahren wurde deutlich, dass der Jugendliche in klassischen Wohngruppenstrukturen stark auf Konkurrenzsituationen reagierte und Konflikte schnell eskalierten. Daher wurde gemeinsam mit dem Jugendamt eine hoch individualisierte einzelpädagogische Maßnahme eingerichtet.
Der Jugendliche wurde zunächst in einer sehr reizarmen Wohnsituation untergebracht, in der er ausschließlich mit einer festen pädagogischen Bezugsperson arbeitete. Ziel der ersten Phase war es, Konfliktdynamiken zu reduzieren und eine tragfähige Beziehung aufzubauen.
Das multiprofessionelle Team bestand aus zwei sozialpädagogischen Fachkräften, einem externen Anti-Gewalt-Trainer sowie einem Psychologen, der regelmäßig diagnostische Gespräche führte. In der pädagogischen Arbeit lag der Fokus zunächst auf Impulskontrolle, Selbstregulation und dem Aufbau alternativer Konfliktstrategien.
Parallel wurden sportpädagogische Angebote genutzt, um dem Jugendlichen Möglichkeiten zu geben, überschüssige Energie konstruktiv abzubauen. Insbesondere regelmäßiges Boxtraining unter professioneller Anleitung erwies sich als hilfreich, um Aggressionen zu kanalisieren.
In regelmäßigen Fallbesprechungen reflektierte das multiprofessionelle Team die Entwicklung des Jugendlichen. Dabei wurde deutlich, dass sein aggressives Verhalten häufig Ausdruck von Überforderung und mangelnden Bewältigungsstrategien war.
Im Verlauf von etwa neun Monaten gelang es, eine deutliche Stabilisierung zu erreichen. Der Jugendliche entwickelte erstmals Vertrauen zu einer Bezugsperson und begann, eigene Konfliktmuster zu reflektieren. Auf dieser Grundlage konnte schrittweise eine schulische Perspektive aufgebaut werden.