Jugendliche mit schwerer Suchtthematik und Selbstgefährdung

Eine 17-jährige Jugendliche wurde nach mehreren Krankenhausaufenthalten und akuten Krisen durch das Jugendamt in unsere Einrichtung vermittelt. Bereits im Alter von 14 Jahren hatte sie begonnen, regelmäßig Alkohol und verschiedene Drogen zu konsumieren. In der Folge kam es wiederholt zu Selbstgefährdungssituationen, darunter Überdosierungen sowie riskante Aufenthalte im Straßenmilieu.

Die familiäre Situation war stark belastet. Die Mutter litt selbst unter einer Suchterkrankung und war nur eingeschränkt erziehungsfähig. Der Vater war seit vielen Jahren nicht mehr im Kontakt zur Familie.

Mehrere vorangegangene Hilfemaßnahmen hatten nicht zum gewünschten Erfolg geführt, da die Jugendliche häufig aus Einrichtungen entwich oder Kontakte zu ihrem bisherigen Umfeld aufrechterhielt.

In enger Abstimmung mit dem Jugendamt wurde daher eine intensiv betreute einzelpädagogische Maßnahme mit hohem Schutzfaktor eingerichtet.

Die Maßnahme begann mit einer räumlichen Distanz zum bisherigen sozialen Umfeld der Jugendlichen. In der Anfangsphase wurde ein sehr engmaschiges Betreuungssetting aufgebaut, bei dem eine pädagogische Fachkraft täglich mehrere Stunden mit der Jugendlichen arbeitete.

Das multiprofessionelle Team bestand aus:

  • einer sozialpädagogischen Bezugsperson
  • einer Suchttherapeutin
  • einer Psychologin
  • sowie einer medizinischen Fachperson für suchtbezogene Beratung

Ein zentraler Bestandteil der Arbeit war die Motivationsarbeit in Bezug auf Abstinenz und Selbstfürsorge. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, die Jugendliche nicht mit Forderungen zu überfordern, sondern kleine erreichbare Schritte zu ermöglichen.

Gleichzeitig wurden alternative Freizeitaktivitäten aufgebaut, die der Jugendlichen neue Erfahrungen jenseits ihres bisherigen Umfelds ermöglichten. Besonders hilfreich erwies sich dabei ein kreatives Angebot im Bereich Musikproduktion, bei dem sie eigene Texte schreiben und aufnehmen konnte.

Über einen Zeitraum von etwa zwölf Monaten gelang es schrittweise, den Drogenkonsum deutlich zu reduzieren und stabile Tagesstrukturen aufzubauen. Parallel wurde eine therapeutische Aufarbeitung ihrer belastenden Lebensgeschichte begonnen.